Kinderhort und Jugendzentrum

Die Situation der Familie

019IMG_0789Florencio Varela zählt zu den ärmsten Distrikten des Landes. In den Wohnvierteln von San Martín de Porres hat schätzungsweise zwischen 40 und 50 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung weder Arbeit noch Arbeitslosenunterstützung. Und die Mehrzahl derjenigen, die einer Arbeit nachgehen, ist schwarz beschäftigt, d.h. ohne Kranken- und Altersversicherung. Sie haben keine oder befristete Arbeitsverträge und bleiben mit ihren Löhnen unter der Armutsgrenze. Die Familien sind im Allgemeinen kinderreich und leben in sehr beengten und unwürdigen Wohnverhältnissen. Der familiäre Zusammenhalt ist brüchig, die Männer verlassen ihre Frauen und Kinder, die Mütter müssen sich um den Unterhalt der Kinder kümmern, die oft sich selbst überlassen sind und auf der Straße landen. In vielen Familien ist der Vater alkoholabhängig und wendet Gewalt gegen Frau und Kinder an. In zahlreichen Fällen haben die Großeltern, mehrheitlich die Omas, die Erziehung übernommen und sind damit hoffnungslos überfordert. Um dem Problem der „Straßenkinder“ vorzubeugen, hat die Pfarrei im Jahre 1996 die Casa del Niño eröffnet.

Casa del Niño

048IMG_2425Es handelt sich um eine Kindertagesstätte, in der 150 Kindern, die aus sehr armen, unvollständigen, gefährdeten oder gewalttätigen Familien kommen, halbtags eine integrale Erziehungshilfe angeboten wird. Die Kinder, die vormittags zur Schule gehen, kommen mittags zum Essen, bleiben am Nachmittag und kehren nach einer Zwischenmahlzeit um 17 Uhr nach Hause zurück. Die Kinder, die am Nachmittag Unterricht haben (in allen Schulen des Landes gibt es einen Turnus am Morgen und einen am Nachmittag), beginnen am Morgen mit einem Frühstück in der Casa und gehen nach dem Mittagessen zur Schule. Es sind Kinder im Alter von 3 bis 13 Jahren, also im Kindergarten- und Volksschulalter.

Jugendzentrum

060IMG_2444Da die Gemeinde aber die Jugendlichen, die mit 13 oder 14 Jahren nicht mehr die Kindertagesstätte besuchen können, nicht sich selbst und der Straße überlassen möchte, gibt sie ihnen dreimal in der Woche abends die Gelegenheit, sich zu zwangloser Freizeit-gestaltung unter der Ägide eines erfahrenen Erziehers zu treffen und in „Talleres“ (Kursen) ihre kreativen Fähigkeiten zu entfalten. Das ist umso dringlicher, als in den Armenvierteln die Jugendlichen überdurchschnittlich stark von Arbeitslosigkeit betroffen und daher in hohem Maße drogengefährdet sind. Mit der Drogenabhängigkeit aber rutschen sie in die sogenannte Beschaffungskriminalität ab.

IMG_2441In den letzten Jahren haben Jugendzentrum und Kindertagesstätte mit systematischer Schulaufgabenhilfe durch Fachkräfte begonnen, was die Leistungen der Kinder und Jugend-lichen erhöht und die Chancen gesteigert hat, zu einem guten Schulabschluss zu gelangen und somit einen Studien- oder Ausbildungsplatz zu bekommen. Für zahlreiche Jugendliche gewährt die Gemeinde inzwischen auch Stipendien, damit sie ihre Sekundarstufe beenden und später ein Studium aufnehmen können. So wird auch vielen jungen Leuten ein Studium an einer Fachhochschule oder Universität ermöglicht.

Die Casa del Niño und das Jugendzentrum sind mehr als ein „Aufbewahrungsort“ für Kinder und Jugendliche. Die pädagogischen Mitarbeiter bieten ihnen vielmehr eine ganzheitliche Erziehung. Darum ist dort das Personal arbeitsvertraglich beschäftigt: 7 ErzieherInnen, eine Direktorin, eine Sozialarbeiterin und eine Psychologin. Außerdem helfen viele ehrenamtliche Kräfte mit, die mit einem kleinen Taschengeld belohnt werden. Für die Unkosten des Hauses, des Personals und des Essens muss die Pfarrgemeinde aufkommen, wobei sie mit einem Zuschuss der Provinzregierung rechnen kann.