Grameen Bank

IMG_1708Um den zahlreichen Arbeitslosen eine Existenzgründung zu ermöglichen, hat die Solidaritäts- gruppe aus San Isidro, die von Vickie Leonhardt geleitet wird, eine sogenannte Grameen Bank organisiert, die nach dem Modell des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus aus Bangladesch Minikredite vergibt. Damit können sich Bedürftige und Arbeitslose eine Basis für ihren Lebensunterhalt schaffen. Sie werden in Gruppen zu drei oder vier Personen IMG_1710zusammengefasst, die nicht weit auseinander wohnen und sich gegenseitig helfen können. Die Mehrzahl der Kredite wird vergeben für die Herstellung von Brot oder gebratenen Hähnchen, für die Einrichtung eines Kiosk oder kleinen Lebensmittelladens, für die Produktion von Kleidung oder Kunsthandwerk. Die Gruppen werden von vier jungen Leuten aus der Pfarrei begleitet, die für diese Aufgabe geschult wurden. Das System sieht vor, dass der erste sehr niedrige Kredit nach zehn Wochen zurückgezahlt wird, und dass nach einem ersten erfolgreichen Zyklus neue und höhere Kredite gewährt werden. Inzwischen sind es über hundert Personen und Familien, die von dieser Einrichtung profitieren.

Zwei Beispiele mögen das System veranschaulichen:

Jorge Morinigo, verheiratet, 3 Kinder. Er ist 40 Jahre alt, war drogenabhängig und gehört zur Selbsthilfegruppe. Einer der jungen Mitarbeiter unserer Pfarrei machte ihn auf das Kreditsystem aufmerksam. Im Winter pflegte er Gewürze und Heilkräuter von Haus zu Haus zu verkaufen, Im Sommer fabrizierte und verkaufte er ebenfalls auf der Straße Türvorhänge aus Plastik gegen die Mücken. So hatte er gerade das Nötigste zum Essen. Im May 2006 empfing er seinen ersten Kredit in Höhe von 300 Pesos (1Peso = 0,27 €). Damit kaufte er Plastikstoff und fertigte Bezüge für Sessel, Autositze, Tischdecken und Kissen an. Er begann, sie auf dem Markt von Solano (einer Nachbarstadt) zu verkaufen und stellte weitere Produkte her wie Abdeckungen für Swimmingpools, Markisen u.a. Er hat bereits mehrere Kredite bekommen. Nun vergibt er schon Arbeit an andere junge Leute aus der Selbsthilfegruppe, die auf der Straße seine Plastikvorhänge verkaufen, wie er es zu Beginn auch getan hat. Er hat sich einen Kleintransporter gekauft, und auch seine Frau begann mit einem Kredit auf demselben Markt Spielzeug und etwas Kleidung zu verkaufen. Sie planen nun, die kleine Werkstatt mit den nächsten Krediten zu erweitern.

2008-09-29 (17)Mabel Benegas, verheiratet, 3 Kinder. Sie bekam ihren ersten Kredit vor einigen Jahren. Ihr Mann hatte keine Arbeit und sie begann zuhause Hähnchenschnitzel zu machen und verkaufte sie in der Nachbarschaft. Zu Beginn kaufte sie einen Kasten mit Hähnchen pro Woche und verarbeitete sie zu Schnitzel, und verkaufte auch die Bollen und Flügel. Mit dem ersten Kredit konnte sie zwei Kästen pro Woche und auch Eier kaufen. Heute verarbeitet sie drei Kästen pro Tag. Ihr Mann hat ihr ein kleines Ladenlokal ans Haus angebaut. Im vergangenen Jahr konnte sie eine Waage und eine Kühltheke anschaffen. Sie verkauft nun auch Getränke, Aufschnitt und andere Lebensmittel. Zwei ihrer Kinder arbeiten mit im Geschäft. Sie ist ein Beispiel an Fleiß und Zielstrebigkeit!

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Die Solidaritätsgruppe mit Mitarbeitern von San Martín de Porres

Die Solidaritätsgruppe wurde in den neunziger Jahren von Vickie Leonhardt gegründet, um soziale Projekte in San Martín de Porres zu unterstützen. Im Anfang hat sie vor allem Kleidung und Lebensmittel für die Caritas und die Volksküchen beigesteuert. Sie hat Schulaufgabenhilfe, Ausflüge und Partnerschafts- aktionen für den Kinderhort und das Jugendzentrum organisiert, sie vergibt Stipendien an Jugendliche bedürftiger Familien, damit sie ihre Sekundarschule beenden und studieren können. Sie erhalten Geld für Lebensmittel, Kleidung, Studienmaterial und Fahrt. Diese Hilfe hat in den Jugendlichen Hoffnung und Begeisterung geweckt.

San Isidro ist ein Vorort von Buenos Aires am Nordrand der Stadt (eine bis anderthalb Stunden Autofahrt von Florencio Varela entfernt). Die Mitarbeiterinnen der Solidaritätsgruppe gehören zur Pfarrgemeinde Heilig Geist und wohnen in einem Viertel der oberen Mittel- bzw. der Oberschicht. Die Idee zum sozialen Engagement entstand, weil Vickie und ihre Familie mit mir verbunden und befreundet sind. Inzwischen betreut die Gruppe nicht nur Projekte in Florencio Varela, sondern auch in andern Teilen der Stadt und des Landes.  Die finanziellen Mittel, die sie für die Stipendien und die Minikredite in Florencio Varel einsetzt, bringt seit Anfang 2014 unser Förderverein auf.